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Schweineschinken-Schützenfest

Eine Besonderheit der Chorgemeinschaft Dülmen 1905 e.V. vormals MGV „ Germania“.

In Dülmen gibt es mehr als ein Dutzend Schützenvereine, so dass während der Sommermonate fast an jedem Wochenende in unserer Stadt und in den Bauernschaften ringsum ein Schützenfest stattfindet. Unter reger Beteiligung aller Vereinsmitglieder und der Bewohner des Viertels wird dabei ein Holzvogel von der Stange geholt (geschossen). Fast alle diese Schützenfeste dauern gewöhnlich drei Tage und sind auch heute noch der gesellschaftliche Höhepunkt der Schützenvereine.

Warum der damalige Männer-Gesang-Verein Germania auch ein Schützenfest feiern wollte, aber eine andere Form des Schützenfestes wählte (s. unten), ist aus der Chronik und den Annalen des Vereins nicht mehr zu ersehen.

Das erste Schweine-Schinken-Schützenfest des Vereins wurde 1913 in den Gartenanlagen des Gründungs- und Vereinslokals „Schmitz an den Türmen“ gefeiert. Der erste Schweine – Schinken – Schützen – König der „Germania“ war der Sangesbruder Wilhelm Eylert: Dem war es gelungen, den an vielen Bindfäden aufgehängten Schweineschinken abzuschießen. Zu seiner Mitregentin erkor er sich Fräulein Maria Limbach.

Nach diesem ersten Fest trat eine elfjährige Pause ein, die durch den 1. Weltkrieg und durch die danach beginnende Weltwirtschaftskrise bedingt war. Erst am 10. August 1924 wurde das nächste Schweine – Schinken – Schützenfest wieder in den Gartenanlagen des Vereinslokals Schmitz, gefeiert. Ob damals nach den Kriege noch nicht wieder geschossen werden durfte, ist nicht bekannt. Die Chronik vermerkt jedenfalls dazu, dass der König nach dem Spiel „Herunter mit dem Zylinder“ ermittelt wurde. Hierbei musste mit einem Stoffball ein Zylinderhut von zwei sich rauf- und runter bewegenden Holzköpfen geworfen werden. Als neuer König wurde der Sangesbruder Bödiger proklamiert.

In der Chronik wird danach von einem Waldfest am 27. Juni 1926 bei „Butz“ berichtet. Der Sangesfreund Bernhard Lenz wurde dabei als Schützenkönig ermittelt und erkor sich Frau Linden zur Königin.

Am 14. August 1927 fand - wieder in den Gartenanlagen bei „Schmitz“ – das nächste Schützenfest statt, bei dem als Königspaar Gregor Reinermann und Else Loges vorgestellt wurden. Dabei wurden erstmalig neben dem Königsschießstand auch ein Schießstand für die Damen und ein Schießstand für die passiven Mitglieder des MGV errichtet.

Im folgenden Jahr, am 29.Juli 1928, feierte die „Germania“ das nächste Schützenfest, ebenfalls in den Gartenanlagen von „Schmitz“. König wurde Anton Vehoff und Königin Frau Laukötter .
Vom nächsten Schützenfest berichtet die Chronik:

Das diesjährige Sommerfest des MGV „Germania“ , verbunden mit dem Schweineschinkenschießen fand am Sonntag, dem 11. August 1929 in den Anlagen des Wirtes Seewald statt. Es verlief bei äußerst günstigem Wetter in althergebrachter Weise in schönster Harmonie und ohne jeden Missklang. Gegen 2 Uhr mittags fanden sich die aktiven Sänger im Vereinslokal zusammen und unter Vorantritt der Musik, der Fahne und des bisherigen Königs ging es zum Festplatze bei Seewald. Dort angekommen entspann sich an den drei eingerichteten Schießständen gleich ein harter Kampf um die ersten Preise. Das Schinkenschießen endete gegen 7 Uhr mit dem Siege des Sangesbruders Heinz Bödiger, welcher sich als Königin Fräulein Ria von Oepen erkor. Unter den üblichen Huldigungen bestiegen beide den Königsthron. An dem Schießstand für die passiven Mitglieder und die Freunde des Vereins wurden Preise ausgeschossen, höchst interessant war aber auch das Preisschießen für die Damen. Eine im Verlauf des Nachmittags vorgenommene Verlosung brachte viel Heiterkeit infolge der teilweise ulkigen Gewinne. Auch bei der Kinderbelustigung kamen die Kleinen bestimmt auf ihre Kosten. Gegen 20.00 Uhr wurde zum Rückmarsch geblasen ( für viele wohl zu früh ), und in schneidigem Festzuge wurde das neue Königspaar zur Stadt zurückgeleitet. Nachdem sich der Festzug aufgelöst hatte, fanden sich die Teilnehmer nach einer kurzen Stärkung zu einer gemütlichen Nachfeier wieder ein. Mit Freude kann der Verein auf das gewesene Sommerfest zurückblicken. Und es wäre zu wünschen, dass auch das nächstjährige Jubelfest einen ebenso harmonischen Verlauf nehmen möge.

Im darauffolgenden Jahr 1930 fand das Jubelfest der „Germanen“ statt. Mit einem großen Gesangswettstreit wurde das 25- jährige Bestehen des MGV würdig gefeiert. Aus diesem Grunde wurde kein Schützenfest veranstaltet. Auch im Jahr 1931 viel das Schützenfest aus. Die Chronik vermerkt dazu: Wegen der großen Arbeitslosigkeit kam es zu einer finanziellen Misere in Verein und Zweidrittel der aktiven Sänger konnten keinen Beitrag mehr bezahlen. Im Verein wurde es sodann immer ruhiger, Konzerte konnten fast nicht mehr veranstaltet werden. Von den Schweine-Schinken-Schützenfesten war schon lange keine Rede mehr.

Erst nach dem 2. Weltkrieg, 1945/46, begann die „Germania“ in einer Notbaracke bei „Schmitz“ wieder mit der Probenarbeit. Bereits im Jahre 1947 wurde der Wunsch geäußert, an die alte Tradition anzuschließen und wieder ein Schützenfest zu veranstalten. Wie sollte man aber ohne Gewehre ein solches Fest durchführen ? Von der Militär – Regierung war jeglicher Waffenbesitz verboten. Es musste also eine andere Möglichkeit gefunden werden. So kam man auf die Idee, das alte Spiel von 1924 – „Herunter mit dem Zylinder“ - zu wiederholen. Ein entsprechender „Schießstand“ wurde in den Gartenanlagen der Gastwirtschaft Nordmann aufgebaut. Die meisten Treffer erzielt der Sangesfreund Josef Freitag, der aber wegen der schlechten Zeiten keinen Schinken bekam, sondern sich mit einer Mettwurst und einem Schoppen Schnaps zufrieden geben musste.

Dieses Fest konnte man als fast „alkoholfrei“ bezeichnen. Es gab nur so eine Art von Bier, das man erst mit einem ordentlichen Schuss Fruchtsaft vermischen musste, um es überhaupt trinken zu können. Viele Sangesbrüder hatten sich aber mit „Balkenbrand“, dem damals üblichen Schwarzgebrannten, eingedeckt. Trotz der beschriebenen Einschränkungen war es ein gelungenes Fest.

Das nächste Schweine-Schinken-Schützenfest fand dann erst wieder im Jahre 1953 statt. Hier gelang Heinrich Holiet der Königsschuss, Frau Otti Eggert wurde seinen Mitregentin. In Jahre 1957 war es dann Josef Wöstenkötter, der den Schinken abschoss. Seine Königin wurde Trude Schlüter.

Danach trat eine Pause von 25 Jahren ein. Aus dem MGV „Germania“ war inzwischen die Chorgemeinschaft Dülmen geworden und errang mehrmals den Titel „Meisterchor“. Unter dem Vorsitzenden Günter Kuchta wurde 1982 das Schweine-Schinken-Schützenfest wieder belebt. Trotz regnerischen Wetters waren die Sänger mit ihren Familien und vielen Gästen zur Pension Lechler nach Welte gekommen, denn ein Team hatte dort alle Vorbereitungen für das Schweine-Schinken-Schützenfest getroffen. Nach fast dreistündigem Schießen gelang es Bernhard Düppe den letzten Bindfaden zu durchtrennen und damit Schützenkönig zu werden. Königin wurde Elisabeth Kleine -Vorholt. Mit launigen Worten vollzog der Vorsitzende Günter Kuchta die Proklamation im Beisein von Josef Wöstenkötter und Trude Schlüter, die nun nach 25 Jahren die Königswürde abgaben.

Im September 1985 gelang es dann Josef Nieborg und seiner Frau Rita den Chor vom Thron aus zu regieren. Wie die beiden vorigen Schützenfeste, fand auch dieses Fest in der Pension Lechler, der ehemaligen Schule in der Bauernschaft Welte, statt. Am 17. Sept. 1988 wurde das Schweineschinkenschützenfest auf einem Reiterhof in Lette (Kreis Coesfeld) gefeiert. Hier war es Bernd Schmitz, dem bei vielen Mitbewerbern der Königsschuss gelang. Zu seiner Königin erwählte er Marianne Kind . Dem inzwischen beschlossenen Drei-Jahres-Rhythmus folgend wurde das nächste Schützenfest 1991 im Biergarten des neuen Vereinslokals „Olympik – Klub “ in Dülmen gefeiert. Bei herrlichem Wetter war es Fritz Sessinghaus, der als letzter auf den Schinken schoss und damit der neue Schweine-Schinken-Schützenkönig wurde. Christel Gerdes erwählte er zu seiner Königin.

In den Anlagen des neuen Vereinslokals „Dernekämper Hof „ fand am 18.Juni 1994 das nächste Schützenfest statt. Bei bester Stimmung gelang Hans Spangemacher der Königsschuss, Monika Schmitz wurde Königin. Mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken begann am 14. Juli 1997 bei schönstem Sonnenschein ein weiteres Schützenfest. Das rege Treiben in den Anlagen des Vereinswirtes Albert Fimpeler wurde jedoch von einem kräftigen Regenschauer unterbrochen, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat. Nach langem und ausdauerndem Kampf um den begehrten Schinken siegte Jürgen Groth und wurde neuer Schützenkönig. Zur Königin nahm er seine ausdauernde Mitbewerberin Anni Kleine, denn zur Vereinfachung des Schießwettbewerbs war beschlossen worden, dass nun auch die Frauen der Sänger um die Königswürde auf den Schinken schießen dürfen.

Nach einem erneuten Wechsel des Vereinslokals in das benachbarte St. Barbara-Haus, wurde dort am 9. September 2000 Klaus Demes neuer Schweine-Schinken- Schützenkönig und Karin Krug seine Königin. Danach regierten Reiner Busse und Anna Wortmann, die am 30. August 2003 die Königswürde erringen konnten. Bei diesem Schützenfest war ein Frauenchor aus Niederbiel bei Wetzlar zu Gast, der für zusätzliche Stimmung sorgte. Bei all diesen Schützenfesten war und ist es üblich, dass der neue Schweine-Schinken-Schützenkönig bei der Inthronisation vom 1. Vorsitzenden mit dem Umhängen der Königskette geehrt wird. Die erste Medaille an dieser Kette ist aus dem Jahre 1913. Fast jeder König hat für seine Regentschaft eine Silbermedaille mit den Namen des Königspaares an der Königskette anbringen lassen. Aus diesem Grunde braucht die Königskette der Chorgemeinschaft einen Vergleich mit den Schützenketten anderer Vereine nicht zu scheuen.

Königskette des MGV – Germania Dülmen /der Chorgemeinschaft Dülmen  hat folgende Plaketten:

Schweine-Schinken-Schützenfest, gegr. 1913

1913 Wilhelm Eylert und Maria Limbach

1926 Bernard Benz und Frau Linden

1928 Anton Vehoff und Frau G.Laukötter

1929 H. Bödiger und Ria von Oepen

1953 Heinrich Holiet und Otti Eggert

1957 Josef Wöstenkötter und Trude Schlüter

1982 Bernhard Düppe und Elisabeth Kleine-Vorholt

1985 Josef Nieborg und Rita Nieborg

1988 Bernd Schmitz und Marianne Kind

1991 Fritz Sessinghaus und Christel Gerdes

1994 Hans Spangemacher und Monika Schmitz

1997 Jürgen Groth und Anni Kleine

2000 Klaus Demes und Karin Krug

2003 Reiner Busse und Anna Wortmann

2006 Herbert Gielen und Sigrid Sessinghaus

2009 Anni Kleine und Anton Kleien

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